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Gemeinschaftsprojekte statt Einzelprojekte: Leonardo Moser über Abschlussarbeiten

Gemeinschaftsprojekte statt Einzelprojekte: Leonardo Moser über Abschlussarbeiten

Dr. Alexandra Allgaier
Dr. Alexandra Allgaier
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Leonardo Moser hat keinen klassischen akademischen Weg eingeschlagen. Statt direkt nach der Schule an die Universität zu gehen, absolvierte er eine Berufslehre im Versicherungswesen, arbeitete im Kundenservice und studiert nun Betriebswirtschaftslehre an der HSG. Als Präsident der Studierendenvertretung vertritt er die Interessen von über 9’000 Studierenden. Was hat seinen Ansatz geprägt?

„Ich habe früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Das gibt mir Struktur, Ruhe und den Antrieb, etwas zu bewegen.“

Der Wechsel von der Berufswelt in die akademische Welt hat seinen Blick geschärft. Während seiner Lehre lernte er, Ergebnisse zu liefern, zuverlässig zu sein und konkrete Erwartungen zu erfüllen – all das prägt seine heutige Rolle als studentischer Vertreter.

Abschlussarbeiten als Test für Verantwortungsbewusstsein

Wenn Moser über Abschlussarbeiten spricht, ist seine Perspektive besonders überzeugend. Er kennt die Praxis und weiss aus erster Hand, womit Studierende zu kämpfen haben. Viele sehen die Bachelor- oder Masterarbeit lediglich als Hürde.

„Manche betrachten sie als Formalität: schreiben, Note bekommen, Abschluss.“

Für diejenigen, die direkt nach der Schule ein Studium beginnen, ist die Abschlussarbeit oft die erste Begegnung mit Verantwortung und dem Potenzial, wirklich etwas zu bewirken. Doch wenn der richtige Rahmen fehlt, sieht Moser eine verpasste Chance.

„Man nimmt es erst dann wirklich ernst, wenn man das Gefühl hat, dass die eigene Arbeit tatsächlich etwas bewirken könnte.“

Sein Wunsch: Studierende näher an reale Herausforderungen heranführen. In begleiteten Partnerschaften mit der Industrie würden Studierende nicht nur Wissen anwenden, sondern auch eine professionelle Denkweise entwickeln.

„Die beste Vorbereitung auf das Berufsleben ist nicht nur Wissen – es ist die richtige Einstellung. Und die lernt man dort, wo es darauf ankommt.“

Mehr praxisorientierte Formate

Moser plädiert für mehr Kooperationen zwischen Universitäten und Unternehmen, für praxisnahe Problemlösungen und einen echten Dialog. Er sieht einen hohen Wert in Formaten wie Abschlussprojekten oder unternehmensbezogenen Abschlussarbeiten: „Es ist nicht nur Übung. Es hat echte Wirkung.“

Das Schreiben in einem realen Kontext zwingt Studierende zu erkennen: Theorien müssen anwendbar, Vorschläge realisierbar und Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg sein. Dieses Bewusstsein für die Verantwortung fehlt oft zu Beginn eines traditionellen Abschlussarbeitsprozesses. Ein Beispiel: Mosers Vizepräsident schreibt eine juristische Abschlussarbeit über Sterbehilfe – ein zutiefst persönliches Thema mit gesellschaftlicher Relevanz. „Praxis fördert Verantwortungsbewusstsein. Und je mehr Verantwortung, desto grösser die Leidenschaft.“

Die Rolle von Alumni-Netzwerken

Abschlussarbeiten müssen keine einsamen Unterfangen sein. Moser sieht grosses Potenzial darin, sie zum Aufbau akademischer und beruflicher Netzwerke zu nutzen – über Disziplinen und Statusgruppen hinweg.

„Es wäre spannend, wenn Universitäten Abschlussarbeiten als Gemeinschaftsprojekte betrachten würden. Nicht nur als Texte, sondern als Ausgangspunkt für Gespräche.“

Er stellt sich neue Formate vor, wie Peer-Feedback-Runden, gemeinsame Präsentationen oder Plattformen für Abschlussarbeiten, auf denen Studierende ihre Ideen vorstellen und Feedback von Alumni und Fachleuten aus der Wirtschaft erhalten.

Er sieht eine besondere Rolle für Alumni-Netzwerke: Viele ehemalige Studierende arbeiten heute in Banken, Konzernen oder Startups und könnten wertvolle Daten, Kontakte oder Expertise beisteuern. „Das Potenzial ist da. Wir müssen nur mehr Studierende und Alumni vernetzen.“

Ausblick: Abschlussphase

Leonardo Moser spricht für eine Generation, die mehr als nur ein Diplom will: sinnvollen Austausch, Relevanz und Verantwortung. Er ist überzeugt, dass die HSG auf dem richtigen Weg ist, wünscht sich aber mehr: „Wir brauchen offenere Formate, mehr Praxisbezug und mehr Dialog über Erwartungen und Ergebnisse.“

Seine Botschaft an Lehrende, Arbeitgeber und Mitstudierende: „Lasst uns die Abschlussarbeit neu denken. Nicht als Pflicht, sondern als Chance.“

Seine Vision: eine Abschlussphase, die Verantwortung fördert, neue Perspektiven eröffnet und die Zusammenarbeit über institutionelle Grenzen hinweg ermöglicht.

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Leonardo Moser
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Leonardo Moser

Leonardo Moser is President of the Student Union at the University of St.Gallen. He began his professional journey with a vocational training in insurance, worked in sales, and now studies Business Administration. What drives him: taking responsibility, connecting perspectives, and fostering talent. His personal motto: practice and academia should continuously challenge one another.

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