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Bildung, Daten, Digitalisierung: Wie der Thurgau Talente fördert

Bildung, Daten, Digitalisierung: Wie der Thurgau Talente fördert

Dr. Alexandra Allgaier
Dr. Alexandra Allgaier
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Bildung als strategischer Vorteil

Jérôme Müggler ist seit Juni 2019 Direktor der Handelskammer Thurgau. Der Historiker und Germanist bringt nicht nur Beratungserfahrung aus seiner Zeit bei KPMG mit, sondern auch fundiertes Wissen in Marketing und strategischer Kommunikation. Seine universitäre Laufbahn führte ihn von Zürich über Basel bis St. Gallen – und spiegelt sich heute in seiner Vision: Bildung als strategische Investition in die Zukunft.

„Wir wollen junge Menschen unterstützen, damit sie im Leben und im Beruf erfolgreich sein können.“ (Jérôme Müggler)

Zwei Initiativen stechen dabei besonders hervor: der geplante Digital & Innovation Campus als Ort, an dem Lernen, Forschung und Unternehmertum zusammenkommen, und eine speziell für Primarschülerinnen und -schüler gedachte Wissenschaftswoche, um MINT-Themen bereits früh erlebbar zu machen.

Allerdings werden Bildungsperspektiven auch durch Geografie geprägt: „Im Thurgau müssen viele Studierende den Kanton verlassen. Es besteht ein reales Risiko, dass sie nicht zurückkehren“, sagt Müggler. Um der Abwanderung entgegenzuwirken, unterstützt die Handelskammer Partnerschaften mit Hochschulen wie der Universität Konstanz oder der HTWG Konstanz. Ziel ist es, akademische Expertise durch sogenannte angeschlossene Institute in der Region zu verankern.

Für Müggler ist klar: Wer Talente und Unternehmen im Kanton halten will, muss Chancen sichtbar machen. Dazu gehört nicht nur Infrastruktur, sondern auch eine regionale Haltung, die Innovation als Teil ihrer Identität versteht. „Viele junge Leute unterschätzen, was hier möglich ist: weil es nicht sichtbar genug ist.“ Deshalb investiert die IHK auch in Kommunikation, um den Kanton als Ort des Wandels zu positionieren: „Junge Menschen müssen das Gefühl haben: Hier passiert etwas – und du kannst dabei sein."

Gleichzeitig braucht es bessere „Übersetzer“ zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. „Es reicht nicht, dass Forschungsergebnisse gut sind – sie müssen auch erklärt und zugänglich gemacht werden.“ Genau hier setzen der Thurgau Digital & Innovation Campus und TIDIT an.

TIDIT: Eine regionale Antwort auf die digitale Transformation

„Wir sind kein isoliertes Institut. Wir sind Teil eines Ökosystems.“ (Caroline Obolensky)

Das 2024 gegründete Thurgauer Institut für Digitale Transformation (TIDIT) konzentriert seine Forschung auf zwei Bereiche: Datensysteme und probabilistische KI. Ziel ist es, vorgelagerte Herausforderungen der Digitalisierung wissenschaftlich fundiert anzugehen und gleichzeitig praktisch nutzbar zu machen.

Für Dr. Caroline Obolensky ist der Wissenstransfer in die Praxis essenziell: „Gerade für kleinere KMU ist die Zusammenarbeit mit Hochschulen oft schwierig. Wir senken die Hürde.“ Einstiegsformate wie Innovationsgutscheine erleichtern den Start. Neue Kooperationen entstehen in Bereichen wie Computer Vision, Predictive Maintenance und Datenanalyse.

Studentische Arbeiten bieten einen weiteren niederschwelligen Weg für KMU, mit der Wissenschaft zusammenzuarbeiten. Viele potenzielle Partnerschaften scheitern jedoch in einer frühen Phase: Oft sind Unternehmen für Studierende nicht sichtbar, oder es ist schwierig, die passende Studentin oder den passenden Studenten für ein Thema zu finden. Hier kommt Studyond ins Spiel. Als Plattform für anwendungsorientierte studentische Arbeiten vernetzt sie Studierende mit Unternehmen.

„Viele KMU im Thurgau merken gar nicht, dass sie von studentischer Arbeit profitieren könnten, oder sie wissen nicht, wie sie diese finden können“, sagt Obolensky.

Für TIDIT ist die Zusammenarbeit mit Studyond ein strategischer Baustein: Studentische Arbeiten dienen als Erprobungsfeld für grössere Projekte. Unternehmen können erste digitale Schritte machen, ohne grosse Budgets zu binden. Studierende erhalten praxisnahe Themen und echte Chancen, Wirkung zu erzielen. „Wenn es uns gelingt, Matching und Sichtbarkeit zu verbessern, erschliessen wir enormes Potenzial“, sagt Müggler.

TIDIT startet zudem eine neue Studie zu KI und Digitalisierung, die bald ein klares Bild über den aktuellen Stand im Thurgau und in der Ostschweiz liefern wird. Die ersten Ergebnisse werden für das Frühjahr 2026 erwartet. „Wir wollen zeigen, wo der Thurgau national steht und wo noch ungenutztes Potenzial liegt“, sagt Obolensky. Die Studie wird zu einem jährlichen Barometer, mit dem Unternehmen ihren eigenen Fortschritt und den der Region verfolgen können.

Unsicherheit annehmen

„Mut bedeutet, auch dann zu investieren, wenn das Ergebnis ungewiss ist.“ (Jérôme Müggler)

Ob Infrastruktur für Austausch, Räume für Ideen oder gezielte Forschungsunterstützung – Innovation braucht Mut. Genau das fehle im Thurgau oft noch, so Müggler. „Viele wollen vorher wissen, dass etwas funktioniert. Aber so funktioniert echte Innovation nicht.“

Stattdessen plädiert er für wohlgestaltete Räume, wie den Digital & Innovation Campus, in denen Unternehmen und Hochschulen gemeinsam denken können, ohne Druck, sofortige Ergebnisse liefern zu müssen. „Dort entstehen Projekte, die später durch Programme wie Innosuisse echte Wirkung erzielen.“

Wie sieht das praktisch aus? Erfolgsbeispiele wie die Zusammenarbeit zwischen dem Kreuzlinger Institut für Werkstoffsystemtechnik (WITG) und der Geobrugg AG aus Romanshorn zeigen es: Ihre Arbeit führte zur Entwicklung einer neuen Stahllegierung, die salzwasserbeständiger ist. „Das ist Wissenstransfer, wie er sein sollte“, sagt Müggler.

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Jérôme Müggler
IHK Thurgau

Jérôme Müggler

Jérôme Müggler is Director of the Thurgau Chamber of Commerce and Industry. As a historian and marketeer, he is committed to improving conditions for entrepreneurship and education in the region.

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