Lea Stotzer kennt beide Seiten der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Sie hat in der strategischen Talententwicklung grosser Konzerne gearbeitet und versteht die internen Abläufe von Universitäten. Bei der Schweizerischen Post war sie für die Koordination der Berufseinstiegsprogramme des Unternehmens für Hochschulabsolventinnen und -absolventen verantwortlich. Seit Juli ist sie als HR Business Partner bei SBB Cargo tätig. Ihre Erfahrung zeigt: Erfolgreiche Kooperationen zwischen Universitäten und Unternehmen sind kein Zufall.
Berufseinstieg in Grossunternehmen
Wer mit einem Grossunternehmen zusammenarbeiten möchte, sollte dessen Funktionsweise verstehen. Im Gegensatz zu Start-ups agieren Konzerne mit längeren Entscheidungszyklen und komplexen Verantwortlichkeiten. Stotzer bringt es auf den Punkt:
„Konzerne haben längere Vorlaufzeiten. Wer mit ihnen zusammenarbeiten möchte, muss frühzeitig beginnen.“
Was oft bürokratisch erscheint, ist tatsächlich eine Folge der Unternehmensgrösse. Kurzfristige Anfragen scheitern meist an internen Prozessen – nicht an mangelndem Interesse. Stotzer rät Universitäten und Studierenden daher, vorausschauend zu planen und realistische Erwartungen zu haben.
Besonders wichtig ist ihr die Themenwahl: Nicht jede Forschungsfrage eignet sich. Die besten Projekte sind jene, bei denen Studierende analytische Tiefe entwickeln können, ohne das Unternehmen als Ganzes verstehen zu müssen. Laut Stotzer besteht die grösste Herausforderung darin, ein Thema zu finden, das den Fähigkeiten der Studierenden entspricht und einen Mehrwert für das Unternehmen schafft.
In der Praxis bedeutet dies klar umrissene Projekte – idealerweise gestützt auf vorhandene Daten oder klar definierte Zielgruppen, wie beispielsweise interne Interviews oder Dokumentenanalysen. Am wichtigsten ist es, die Erwartungen von Anfang an zu klären: „Studierende bieten neue Perspektiven – kein vollständiges Bild des Unternehmens. Und das ist gut so.“
Empfehlungen für Universitäten und Unternehmen
Was macht eine Abschlussarbeit aus Unternehmenssicht erfolgreich? Für Stotzer ist die Antwort eindeutig: „Wenn wir die Ergebnisse umsetzen und Effizienzgewinne erzielen können, ist das Erfolg.“
Dafür müssen mehrere Elemente zusammenpassen: sinnvolle Themen, realistische Betreuung und transparente Prozesse. Plattformen wie Studyond helfen, die Zusammenarbeit zu systematisieren.
„Unsere Experten sind qualifiziert, aber sie brauchen Anleitung und Klarheit bezüglich Zeit und Ressourcen“, so Stotzer.
Ihre Botschaft an noch zögernde Unternehmen:
„Plattformen helfen, den Einstieg zu standardisieren. Das ist in Konzernen mit mehreren Abteilungen unerlässlich.“
Auch Studierende profitieren: „Es ist grossartig für Studierende, wenn Unternehmen ihre Angebote bündeln – das erleichtert den Einstieg.“
Und wenn es nicht sofort klappt? „Lasst euch nicht entmutigen, wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt. Gebt nicht auf.“
An die Universitäten richtet sie eine klare Botschaft: Weg von Einzelfallvereinbarungen! Unternehmen brauchen zentrale Ansprechpartner mit einem Überblick über Studiengänge, Verantwortlichkeiten und bestehende Partnerschaften.
„Es ist extrem aufwendig, jede Abteilung einzeln zu kontaktieren. Ein koordinierender Ansprechpartner wäre Gold wert.“
Warum Stotzer (und die Schweizerische Post) sich für Studyond entschieden haben
Die Schweizerische Post erhielt regelmässig Anfragen von Studierenden zu Abschlussarbeiten – ein erfreuliches Zeichen des Interesses, aber laut Stotzer intern schwer zu koordinieren: „Es war schwierig, das intern zu managen: Wer hat Zeit? Wer kann die nötige Unterstützung leisten?“
Deshalb entschied sich Stotzer für eine Partnerschaft mit Studyond. Die Plattform ermöglicht es Fachbereichen, ihre Themen direkt zu veröffentlichen, und Studierende können sich bewerben, ohne den Umweg über die zentrale Personalabteilung gehen zu müssen.
„Studyond macht unsere Rolle als Gatekeeper fast überflüssig – und das ist gut so.“
Fachbereiche können ihre eigenen Themen veröffentlichen, und Studierende sehen sofort, was benötigt wird. Das Ergebnis: mehr Transparenz, weniger Verzögerungen und einfachere Kommunikation – insbesondere in komplexen Unternehmensstrukturen.
„Der Prozess wird dadurch schneller und effizienter – und genau das wollen wir.“
Lea Stotzers Erfahrung macht eines deutlich: Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Universität und Wirtschaft basiert auf aktiver Kontaktaufnahme und der richtigen strukturellen Unterstützung. Sie plädiert für zentrale Anlaufstellen an Universitäten, verbindliche Prozesse in Unternehmen und für Studierende – Geduld, Neugier und Beharrlichkeit.