Matthias Dannenberg leitet die Finance & Controlling‑Abteilung bei Bosch Mobility Electronics und verantwortet direkt rund 70 Mitarbeitende sowie etwa 300 Finanzprofis weltweit. Seine Aufgabe ist es sicherzustellen, dass finanzielle Daten nicht nur korrekt erhoben, sondern auch strategisch interpretiert werden.
„Wir machen aus Zahlen Botschaften“, fasst er seine Verantwortung zusammen. Ob Steuergeräte, Sensoren oder Halbleiter – Dannenbergs Team steuert die finanzielle Lenkung dieser Geschäftsbereiche. Dabei geht es nicht nur um Zahlen: „Wir analysieren, welche Produkte erfolgreich sind, wo Investitionen Sinn machen und wie effizient unsere Prozesse sind.“ Seine Motivation ist deutlich: „Ich entwickle wirklich gern Unternehmensstrategie, vor allem in Verbindung mit Zahlen.“
Zukunftskompetenzen in Finance & Controlling
„Ein Grundverständnis von Bilanzen reicht heute nicht mehr“, sagt Dannenberg. Finanzfachleute von heute müssen über die reinen Abschlüsse hinausblicken. „Man muss Vertrieb, Entwicklung und Produktion verstehen, um aus Daten echte Erkenntnisse zu gewinnen.“
Eine wichtige Fähigkeit: das Verständnis digitaler Geschäftsmodelle – etwa softwaredefinierte Fahrzeuge, datengesteuerte Steuerungssysteme und die Rolle künstlicher Intelligenz.
„Statistik und Datenkompetenz sollten in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen viel stärker gewichtet werden. Das ist die Grundlage für Fähigkeiten in Python, Data Analytics oder sogar KI‑Tools.“
Technische Expertise allein reicht jedoch nicht. Ebenso wichtig sind Kommunikationsfähigkeiten, Projektkompetenz und Führungspotenzial. „Man muss Menschen mitnehmen können – auf Basis der Zahlen.“
Sein Rat: Sammeln Sie interdisziplinäre Erfahrungen, vor allem durch Praktika und Abschlussarbeiten. „Machen Sie nicht dreimal Consulting oder dreimal Industrie – mischen Sie das und lernen Sie an jeder Station etwas.“
Abschlussarbeiten als Instrument der Kompetenzentwicklung
Wie lässt sich diese Kompetenzentwicklung sinnvoll fördern? Für Dannenberg sind Abschlussarbeiten ein ideales Medium: „Sie verbinden Studierende und Unternehmen auf Augenhöhe. Theorie trifft Realität.“ Bei Bosch unterstützt er verschiedene Formate: Einzelarbeiten, Gruppenarbeiten oder Forschungspartnerschaften mit Hochschulen.
Ein Beispiel: ein Projekt, das untersucht, wie sich die Controlling‑Funktion durch die Digitalisierung verändert – von klassischen Zahlenschubsern hin zu Business-Partnern oder Data Scientists. Ein anderes Projekt analysierte Verwaltungs‑ und Vertriebskosten über 18 internationale Produktionsstandorte. „Das sind Ergebnisse, die wir unmittelbar nutzen können“, erklärt Dannenberg. Gleichzeitig betont er die Bedeutung eines gut strukturierten Rahmens:
„Es braucht ein solides Matching. Gute Betreuung kostet Zeit – beide Seiten müssen sich dessen bewusst sein.“
Er legt besonderen Wert auf Praxisrelevanz: „Was nützt eine perfekt theoretische Arbeit, wenn sie nicht zu Massnahmen führt?“ Deshalb rät er Studierenden, stets eine prägnante Executive Summary beizufügen: „Drei Seiten, die klar sagen, was zu tun ist.“
Im besten Fall können starke Abschlussarbeiten sogar Türen zu Jobs öffnen: „Wir hatten viele Fälle, in denen die Zusammenarbeit direkt in eine Festanstellung mündete.“
Eine Botschaft an Studiengangsleitende
Matthias Dannenberg richtet eine klare Botschaft an akademische Programmverantwortliche: „Wir brauchen nach wie vor starke junge Talente in Finance und Controlling – auch in Produktionsbranchen.“ Er ist überzeugt, dass Hochschulen eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, junge Fachkräfte mit fundiertem Know‑how und Neugier für reale industrielle Zusammenhänge auszustatten.
„Nicht alles passiert in Start‑ups oder reinen Software‑Umfeldern.“
Auch die produzierende Industrie bietet spannende Herausforderungen, echte Verantwortung und grosses Innovationspotenzial – „wenn das klar kommuniziert und durch praxisnahe Formate erfahrbar gemacht wird.“
Sein Wunsch: Hochschulen sollten mehr Brücken zur Unternehmenspraxis bauen – durch projektorientierte Lehrveranstaltungen, Case Studies, Exkursionen und Abschlusskooperationen. „Wenn es gelingt, Theorie und Praxis als gegenseitig stärkende Elemente zu denken, profitieren alle – Studierende, Hochschulen und Unternehmen.“
